Kreta

Beach of Preveli on Crete
Kreta - Strand von Preveli

KRETA - Oktober 2017

Es heißt ja immer, Inseln haben eine kleinere biologische Vielfalt. Das mag zwar sein - allerdings kann es immernoch lohnen die Avifauna dieser Mittelmeerinsel zu erforschen. Schließlich können hier viele "südeuropäische" Arten besichtigt werden. Am Ende hatten wir 56 Arten abgehakt,

12 davon waren "Lifer" für uns (eng. "Lifebird" - das erste Mal, dass man diesen Vogel in seinem Leben sieht).

Bei der Reisevorbereitung mussten wir feststellen, dass es eigentlich keine Lektüre über die Vogelwelt Kretas gibt. Es werden zwar Bücher über Griechenland und Teile der Ägäis angeboten - meistens schließen diese Kreta nicht mit ein.

Somit mussten wir uns über die "Hotspot" Suche bei eBird die lohnendsten Beobachtungsgebiete selber raussuchen.

Ich hoffe mit diesem Reisebericht etwas dazu beitragen zu können, dass andere Birder die Hotspots der Insel besser finden können, wissen was dort auf sie zukommt und Ihre Reiseplanung besser danach ausrichten können. Denn soviel schon mal vorweg: Kreta ist groß! Die Idee, mal eben schnell von der West- an die Ostküste zu fahren sollte besser schnell wieder verworfen werden. Die Straßen sind kurvig und schlecht, Autobahnen gibt es nicht und die Distanzen sind schlichtweg zu weit für einen Tagesausflug.

Darum hier eine Übersicht der von uns besuchten Gebiete:

Aposelemis Mündung

Heidelandschaft im Mündungsbereich
Heidelandschaft im Mündungsbereich
little egret on the shores
Seidenreiher (Egretta garzetta)

Wie es der Zufall so wollte, haben wir unser Urlaubsdomizil direkt an einem Punkt bezogen, der sich für uns als wahrer Hotspot erweisen sollte!

An der Nordküste Kretas, etwa 30 km östlich von Heraklion, wo sich auch einer der beiden Flughäfen der Insel befindet kamen wir im 5-Sterne-Hotel "Insula Alba" unter. Das Hotel selber liegt etwas außerhalb des Ortes Analipsi in einer touristisch eher weniger erschlossenen Gegend. Trotzdem sind Souvenir-Shops und Touristenrestaurants häufig. Der Strand beginnt erst ca. 1 km von Analipsi wirklich schön zu werden. Aber zu unserer Überraschung mündet hier der Aposelemis Fluss ins Mittelmeer. Bei einer ersten Erkundung der Gegend fiel uns sofort die große Heidelandschaft auf, die das Mündungsgebiet dominiert.

Der Fluss führt zu verschiedenen Jahreszeiten verschieden viel Wasser. Bei unserem Besuch war der Wasserstand wohl recht niedrig, bevor das Wasser oberirdisch das Meer erreicht ist er schon im Sand versickert.

Crested Lark on sand
Haubenlerche (Galerida cristata)

Direkt am Flusslauf, der sich bei höherem Wasserstand zu einer weit verzweigten Lagunenlandschaft ausbildet wachsen hohe Schilfgürtel und Weiden. Im Übergang von Süß- zu Salzwasser gibt es einen größeren Überflutungsbereich, davon zeugt ein weitreichender, salzverkrusteter Boden. Hier wächst Queller und andere "Salzwiesenspezialisten". Die Vögel, die in diesem Gebiet als erstes Auffallen sind Haubenlerchen. Tatsächlich sind sie auf Kreta so zahlreich, dass sie tatsächlich irgendwann kaum noch als "Besonderheit" wahrgenommen werden.

Auf dem Weg zur Flussmündung wandelt sich der Küstenstreifen. Teils feinsandige Strandabschnitte, teils felsige Brandung. In den felsigeren Bereichen konnten wir Seidenreiher und Eisvögel beim Jagen beobachten. Zu unserer Überraschung gab es insgesamt sehr wenig Möwen, die Laridae-Familie war zur Zeit unseres Besuches lediglich durch Mittelmeermöwen vertreten. Dafür hat sich doch tatsächlich ein Steinwälzer im Schlichtkleid zwischen die Felsen verirrt. Dort konnten wir beobachten, wie er eindrucksvoll mit seinem Schnabel Stein für Stein auf der Suche nach Nahrung umdreht - und so auch seinem Namen alle Ehre macht.

Common sandpiper on water
Flussuferläufer (Actitis hypoleucos)

Das Gebiet hielt auch einiges an Limikolen bereit, was zu erwarten war. Im Mündungsbereich, wo das Wasser im Sandstrand versickerte konnte man einige davon beobachten. Erstaunlich war die Fluchtdistanz, die grade einmal ca. 2 m betragen hat. An jedem Tag, an dem wir das Gebiet besuchten war der zuverlässigste von allen der Flussuferläufer, der sich so gut wie von nichts und niemanden in die Fluch schlagen ließ. Außerdem konnte man zwei Flussregenpfeifer beobachten, ebenso kaum scheu. Darüber hinaus kam noch ein Kampfläufer dazu. Die größte Limi-Überraschung sollte aber noch folgen...

 

Neben den Limis war dort eine seltsame Gruppe von Enten- und Gänsevögeln unterwegs. Eine domestizierte, weiße Hausgans, eine weitere grau-weiße Hausgans, der man Ihre "wilden" Wurzeln noch ansah waren dort mit einer komplett weißen Hausente und einer weiblichen Krickente vergesellschaftet. Diese "Gruppe" blieb dort auch jeden Tag so bestehen.

Little ringed plover on a mudfield
Flussregenpfeifer (Charadrius dubius)
Ruff on a mudfield
Kampfläufer (Philomachus pugnax)

Eine weitere Limikole hat unsere Aufmerksamkeit erregt. Neben dem Kampfläufer war noch ein weiterer, großer Watvogel zu sehen. Sogar noch etwas größer als der Kampfläufer, weiß-schwarz mit großem Kopf und großem, kräftigen Schnabel. Das war auf jeden Fall was "neues" und etwas unerwartetes. Ein Blick ins Bestimmungsbuch verriet: es war ein Kiebitzregenpfeifer! Die Vogelzugzeit hat uns hier also einen unerwarteten Besucher beschert - wohl auf der Durchreise. Leider im Schlichtkleid machte er doch eine imposante Erscheinung. Und auch hier konnte man wieder an die fünf Meter an den Vogel ran treten, bevor er die Flucht ergriff.

Gray plover
Kiebitzregenpfeifer (Pluvialis squatarola) im Schlichtkleid
Sardinian warbler on a tree
Samtkopf-Grasmücke (Sylvia melanocephala)

Neben den oben erwähnten Haubenlerchen kamen noch verschiedene andere Gesänge dazu. Einmal konnten wir sehr deutlich den melancholisch-abfallenden Gesang einer Heidelerche hören - der uns aus den hiesigen Beobachtungsgebieten im Tennenloher Forst wohl vertraut ist.

Weniger vertraut war uns der Gesang der Samtkopf-Grasmücken, die in dem Gebiet zahlreich vertreten waren und sich immer sehr gut im dichten Laub versteckt hielten. Über dem Gebiet hörte man immer wieder Flugrufe von Stieglitzen, Grünfinken und Bluthänflingen.

Gelegentlich konnte man auch große Gruppen von Bachstelzen und auch einige Gebirgsstelzen finden. Des weiteren waren Weidensperlinge zahlreich vertreten.

Die größe Überraschung waren aber eine große Gruppe von Schwarzkehlchen auf dem Durchzug und ein für unsere Ohren neuer Gesang, der doch sehr, sehr einprägsam war. Aus vielen kleinen Büschen am Gewässerrand konnte man den explosiven Gesang von Seidensängern hören!

Gesang des Seidensängers (Cettia cetti)

European stonechat sitting on reed
Schwarzkehlchen (Saxicola rubicola)

female Nothern shoveler  duck
Löffelente (Anas clypeata)

Während es auf dem Boden noch eine einzelne, weibliche Löffelente zu erwähnen gibt, wurden die höheren Bäume von Nebelkrähen, Türkentauben und rastenden Graureihern dominiert.nGelegentlich ließ sich ein Mäusebussard in einer recht hellen Morphe blicken, auch ein Habicht hat das Gelände mit einer gewissen Regelmäßigkeit überflogen.

Leider halten es die Griechen mit dem Naturschutz nicht so ernst. Das gesamte Gebiet ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen, zahlreiche Schilder deuten an allen Zugängen darauf hin. Die Örtlichkeit könnte schließlich auch vielen Vögeln gut als Brutplatz dienen. Trotzdem liegt in dem Bereich sehr viel Müll, der aber gut und gerne auch von Touristen eingebracht wird. Jedoch wird das Gelände oft mit Autos (SUVs) und Quads befahren, auch Querfeldein. Das scheint hier niemanden zu stören. Hier und da gibt es wilde "Schrotthaufen". Außerdem ist die Gefahr oder zumindest das unbehagen, welches von streunenden Hunden ausgeht nicht zu unterschätzen.

Hinweise zum Naturschutzgebiet
Hinweise zum Naturschutzgebiet

Hier kann das Mündungsgebiet gefunden werden


Jackdaw in Knossos
Dohle (Corvus monedula)

Ein kurzer Abstecher führte uns zu den Ruinen von Knossos. Jedoch stellte sich heraus, dass die Ruinen eine Art archäologisches Disneyland sind - entspricht der ausgestellte Zustand der Ruinen lediglich den Vorstellungen des Hobbyarchäologen Sir Arthur Evans. Die geschichtliche Authentizität wurde gut und gerne Mal einer romantischen Vorstellung Evans' geopfert, vieles wurde mit neumodischem Beton "restauriert".

In dieser Gewissheit widmenten wir uns dann doch lieber den Vögeln: Dohlen bevölkern die gesamte Ausgrabungsstätte in Zahlen, die den Besuchermassen entsprechen. Ebenfalls können Stieglitze, Grünfinke und Seidensänger gehört werden.

Bramianos und Aposelemis Stauseen

Das Bramianos Reservoir
Das Bramianos Reservoir

Auf dem Weg in den Inselsüden können zwei große Stauseen angefahren werden: der Bramianos und der Aposelemis Stausee. Zwar dienen beide als Süßwasser-Speicherseen und sind umzäunt, um Wassersportlern und Badewilligen den Zugang zu erschweren. Jedoch sind die Zäune nicht immer im besten Zustand, oft sind sie komplett heruntergerissen und die Zufahrtsstraßen sind offen. Da wir nicht baden wollten haben wir die Gelegenheit der offenen Straßen und Zäune genutzt, uns die Seen genauer anzuschauen. Während der Aposelemis Stausee nur von einigen wenigen Punkten von südlicher Seite aus angefahren werden kann, kann der Bramianos Stausee auf einer Schotterpiste komplett umrundet werden - ein gelängegängiges Auto ist jedoch Voraussetzung.

Der Bramianos Stausee, der auf einer Schotterpiste komplett umrundet werden kann. Zufahrt über die Staumauer im Süden.

 

Der Aposelemis Stausee, der für die Öffentlichkeit gesperrt ist. Die Zufahrtstraßen im südlichen Bereich sind jedoch frei und nach kurzem Marsch kann man das Ufer erreichen.


black-eared wheatear on a rock in crete
Mittelmeer-Steinschmätzer (Oenanthe melanoleuca)

Nachdem wir am Bramianos Stausee eine Lücke im Zaun gefunden haben, sind wir näher an die Wasserfläche getreten. Neben einzelnen Bach- und Gebirgsstelzen ist uns ein weiterer kleiner, brauner Vogel aufgefallen. Es muss sich um einen Mittelmeer-Steinschmätzer der ssp. "melanoleuca" gehandelt haben, leider im Schlichtkleid.

Direkt an der Wasserfläche waren Graureiher und Seidenreiher auf Nahrungssuche, einige Schildkröten tauchten immer wieder aus dem Wasser auf. Stieglitze waren im Hintergrund zu hören.

Das Highlight war allerdings eine kleine Gruppe Eleonorenfalken, die immer wieder knapp über der Wasseroberfläche auf der Jagd nach Rauchschwalben waren. So vielversprechend der See zu sein schein war die Ausbeute im großen und ganzen eher ernüchternd. Und das (Miet-) Auto sollte auf alle Fälle Geländegängig sein, da die Schotterpiste für alle kleineren Autos doch eine arge Zumutung ist.

Blick vom Südufer des Aposelemis Stausees Richtung Berge
Blick vom Südufer des Aposelemis Stausees Richtung Berge
blue rock thrush on a rock
Blaumerle (Monticola solitarius)

Der Aposelemis Stausee ist leider weitaus weniger zugänglich. Lediglich eine Unterbrechung im sonst durgängigen Zaun erlaubte uns die Zufahrt. Im südlichen Bereich ist eine kleine Kirche durch einen sie umgebenden Damm vor dem Wasser geschützt. Wenn man nach Norden über die Seefläche blickt kann man noch die Reste des Dorfes Sfendili erkennen, bei dem niedirgen Wasserstand, der sich uns präsentierte sogar noch in seiner ganzen Größe.

Auf dem Zuweg zum Haupt-Stausee gibt es immer wieder kleinere Weiher, Seen und Tümpel, die bei hohem Wasserstand eine geschlossene Wasserfläche bilden. Glück für uns!

Schon auf dem Weg zum See im hohen Bewuchs waren viele Stieglitze und Schwarzkehlchen zu sehen.  Als wir näher zu einem der fast trocken gefallenen Tümpel kamen haben wir eine Gruppe von fünf Grünschenkeln aufgeschreckt. Neuntöter und Samtkopf-Grasmücken waren aus den höheren Büschen in der Gegend zu hören. Das Highligt war aber sicher ein neuer Lifer für uns: auf den Steinen im ausgetrockneten Flussbett hat sich eine Blaumerle gezeigt!

Das war sicherlich schon ein großes Highlight für uns - auf dem Weg zurück zum Auto, das wir auf dem kleinen Damm abgestellt hatten warfen wir noch einen Blick in Richtung Berge. Schließlich wurde es langsam Abend und die Thermik war nur noch wenige Stunden da. Und siehe da: eine große Gruppe von über 40 Gänsegeiern schraubte sich an den Hängen und Gipfel der Berge in die Höhe!

Griffon vulture in the sky
Gänsegeier (Gyps fulvus) in der Thermik

Lasithi-Hochebene

Die Lasithi-Hochebene ist ein weites Plateau umgeben von Bergen. Die Hochebenie liegt auf einer Meereshöhe von 840 m ü.NN.

Während die Berge eher schoff und unzugänglich sind bildet die Hochebene eine intensiv landwirschaftlich genutzte Oase. So sind die Felder immer wieder durch rechtwinklig angelegte Verbindungswege durchschnitten, auch Bewässerungsgräben und -rohre finden sich überall.

 

Im Norden kann die Ebene auf mehreren Serpentinenstraßen angefahren werden. Eine der Routen führt durch den Ort Krasi, der neben einer (angeblich) tausend Jahre alten Platane einige sehr gute Tavernen und Restaurants zu bieten hat. Eine gut ausgebaute Straße führt ein Mal um die Ebene herum. Im Süden gibt es mehrere Schluchten, durch die sich eine Wanderung mehr als lohnt. Wir haben uns dazu entschieden, die Havga-Schlucht zu bewandern - was sich sehr bezahlt gemacht hat.

stonechat on a branch
Schwarzkehlchen (Saxicola rubicola)

Laut eBird.com ist die Lashiti Ebene auf jeden Fall ein Birding-Hotspot. So wurden hier schon 85 Arten nachgewiesen. Durch die intensive Kulturlandschaft ist das Schwarzkehlchen fast schon die dominierende Art. Neben dem Schwarzkehlchen sind Neuntöter, Italiensperlinge und Fitisse allgegenwärtig - und kaum scheu!

 

Es loht sich, die umführende Hauptstraße zu verlassen und auf einen der Feldwege einzubiegen. Obwohl wir viele Bauern passiert haben waren uns alle wohl gesonnen und haben freundlich gegrüßt - auch wenn sie uns mit unseren Ferngläsern doch etwas verwundert angeschaut haben.

Bachstelzen und Mäusebussarde sind hier sehr häufig, auch sieht man Nebelkrähen in den Feldern nach Nahrung suchen.

cirl bunting on a tree
Zaunammer ( Emberiza cirlus)

Dann plötzlich der nächste Lifer: eine Zaunammer sitzt auf einem dornigen Busch nicht weit von uns entfernt. Leider ein Weibchen, sonst würde der Unterschied zur Goldammer noch viel deutlicher ausfallen.

Wenig scheu lässt sie sich in aller Ruhe von uns ablichten, bevor sie abfliegt.

 

Knapp über dem Boden rauscht ein kleiner Greifvogel an uns vorbei. Es ist schwierig, ihn zu verfolgen, da er so knapp über dem Boden fliegt und immer wieder hinter Bäume verschwindet. Der Moment, als er zwischen zwei Bäumen kurz wieder auftaucht wird genutzt, um ein schnelles Foto zu machen - so fällt das Bestimmen einfacher, man hat mehr Zeit, auf Merkmale zu achten. Die Größe, die Bänderung auf der Flügelunterseite und die vier Finger zeigen deutlich: eine Wiesenweihe! Nicht schlecht - mit der Weihe hätte ich hier nicht gerechnet. Ein weiterer häufiger Greifvogel ist der Eleonorenfalke, der in kleinen Gruppen auf höheren Bäumen sitzt und nach Beute ausschau hält.

Montagu's harrier
Wiesenweihe (Circus pygargus)
 Eleonora's falcon on a tree
Eleonorenfalke (Falco eleonorae)

willow warbler on a flower
Fitis (Phylloscopus trochilus)

Im Süden der Hochebene verlaufen mehrere Schluchten, die durchwandert werden können. Wir entschieden uns für die Havga-Schlucht. Die Route ist im Rother Wanderführer gut beschrieben. Es ist eine kurze Wanderung, die kaum 2 km in die Schlucht und anschließend auf gleichem Weg wieder zurück führt. Diese Wanderung hat sich allerdings aus Birding-Sicht mehr als gelohnt.

Havga gorge
Eingang zur Havga-Schlucht
griffon vulture in the sky
Gänsegeier (Gyps fulvus)

Man folgt in der Schlucht dauernd einem Flussbett, welches nach dem Winter zur Zeit der Schneeschmelze doch ordentlich Wasser führen muss. Der Weg wechselt ständig von einem zum anderen Ufer des Baches.

Kolkraben sind sehr häufig hier und ihre markanten Rufe hallen an den steilen Wänden der Schlucht.

Stellenweise fühlt man sich jedoch wie in einem Western: immer wieder tauchen größere oder kleinere Gruppen von Gänsegeiern über den Bergspitzen auf und kreisen in unterschiedlichen Höhen über der Schlucht.

In den Bäumen sind vor allem Sperlinge und Samtkopf-Grasmücken zu hören. Viele Bachstelzen suchen zwischen den großen Steinen nach Nahrung.

Neben dem Ruf der Kolkraben hören wir einen uns nicht bekannten Ruf von zwei hoch fliegenden Vögeln. Die Silhouetten erinnerten etwas an Kolkraben, jedoch deutlich kleiner und ohne rautenförmigen Schwanz. Ein schneller Abgleich mit dem Bestimmungsbuch hat gezeigt, dass es sich um einen weiteren Lifer für uns handelte: Alpenkrähen!

Während wir die Alpenkrähen weiter verfolgten tauchte sehr hoch am Himmel eine weitere uns unbekannte Silhouette auf. Ein Gänsegeier war es nicht, aber auf alle Fälle ein großer Greifvogel. Aufgrund der großen Höhe war es die beste Idee, wieder ein -so gut es geht- scharfes Foto von ihm zu schiessen und anschließend mit Hilfe aller Mitteln der digitalen Bildbearbeitung die Art zu bestimmen. So ist es zwar nur ein "Schnappschuss" geworden - jedoch reicht er, um einen weiteren Lifer für uns klar zu bestimmen: die Größe, die Flügelform und die hellen Fenster auf der Flügelunterseite sprechen für: einen Steinadler!

Silouette of a raven
Silhouette eines Kolkraben (Corvus corax)
Golden eagle high in the sky
Silhouette eines Steinadlers (Aquila chrysaetos)

Dead griffon vulture
Toter Gänsegeier

Das Ende der Wanderung in der Schlucht markieren mehrere, riesige Felsen, die als so gut wie unüberwindbares Hindernis plötzlich im Flusslauf auftauchen. Ein Überqueren ist zwar möglich - allerdings ist der Weg dahinter sehr unwegsam. Kurz vor Ende der Wanderung steig uns intensiver Verwesungsgeruch in die Nase. Es war nicht schwer, dem Geruch zu folgen. Zwischen Steinen tauchte ein verwesender Kadaver eines Gänsegeiers auf, von dem der Geruch ausging.

Er muss noch nicht allzulange dort gelegen haben denn der Fäulnisprozess war noch im vollen Gange. Jedoch lagen neben dem Kadaver schon ein paar lose Schwungfedern. Wir nahme eine mit uns als Souvenir - der Preis dafür war jedoch, dass man den Gestank sehr, sehr lange nicht mehr aus der Nase bekommen hat.

 

Es war an der Zeit umzukehren und den Rückweg anzutreten. Über der Schlucht tauchten immer wieder Turmfalken auf - ein weiterer Vogel für die Greifvogelliste. Auf dem Weg zurück, an dem man auch immer wieder Ziegenskelette passiert konnten wir noch an einem kleinen Stein eine kleine, nicht näher bestimmte Gottesanbeterin finden. Zwar kein Vogel aber doch für unsere mitteleuropäischen Augen eine seltene Beobachtung.

 

Mit diesen Beobachtungen verließen wir die Schlucht und das Hochplateau. Es hat sich auf jeden Fall sehr gelohnt, das Gebiet intensiver zu erkunden.

Praying mantis on a stone
Gottesanbeterin

Agia Stausee

Agia Lake
Agia See nahe Chania

Common kingfisher at a lake
Eisvogel (Alcedo atthis)

Der Agia Stausee sollte sich zum besten Birdingspot unserer ganzen Reise rausstellen. Schon bei eBird wird der See als Hotspot beworben. Entlang des gesamten Westufers des Sees führt ein Weg, von dem man sehr gut auf den See einsehen kann. Dort, wo das Schilf die Sicht versperrt lohnt es sich, einen genaueren Blick ins Schilf zu werfen. Als erstes ist uns ein Einsvogel aufgefallen, der das Schilfrohr als Ansitz zum Jagen benutze.

Ein erster Blick über den See zeigte auch ohne Fernglas, dass einiges geboten war: Kormorane, Grau- und Seidenreiher in großer Anzahl, dazu tatsächlich mehr Teichhühner als Blässhühner. Immer wieder waren vereinzelte Zwergtaucher zu sehen, viele hatten auch ihre Jungen im Schlepptau. Hier und da war ein Quieken wie von Ferkeln zu höhren: Wasserrallen!

 

Über der gesamten Seefläche waren enorm viele Rauchschwalben und Uferschwalben unterwegs. Zwar haben wir auch ausschau nach Rötelschwalben gehalten, das aber ohne Erfolg.

Common moorhen on a lake
Teichhuhn (Gallinula chloropus)
Little grebe with chick
Zwertaucher (Tachybaptus ruficollis) mit Jungen

Weiter draussen auf dem See entdeckten wir verschiedene Entenarten. Neben zahlreichen Tafelenten, Stock- und Kolbenenten waren mitten auf dem See einige Moorenten zu sehen - wieder Lifebirds für uns! Entlang des Weges konnten wir immer wieder sehr zahme Warzenenten (Moschusenten) sehen, die wohl den Bauern in der Gegend entlaufen sein mussten.

ferruginous duck between coots
Moorenten (Aythya nyroca) zwischen Blässhühner (Fulica atra)
Muscovy duck
Moschus- oder Warzenente (Cairina moschata)

Sedge Warbler in between reed
Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus)

Neben den Wasservögeln waren ettliche Singvögel zu sehen oder höhren. Zum einen war der markante Gesang des Seidensängers allgegenwärtig. Sehr auffällig war ein in Deutschland sehr zurückgezogen lebender Vogel: immer wieder konnte man im Schilf Schilfrohrsänger sehen und hören.

In den Weiden über dem See konnte man hier und da Grauschnäpper erspähen. Während im Einlaufbereich eines Baches, welcher den See speißt Gebirgsstelzen gut zu beobachten waren, waren gegenüber im krautigen Uferbewuchs immer wieder Schwarzkehlchen und Stieglitze auf Nahrungssuche.

Doch die wahren Highlight sollten jetzt noch folgen!

Der See war umgeben von sehr vielen Greifvögeln. So waren Mäusebussarde und Sperber in der Luft, eine Rohrweihe flog immer wieder aus dem Schilf auf und setzte sich ein paar Meter weiter wieder ab.

Marsh harrier in the sky
Rohrweihe (Circus aeruginosus)
Bonellis eagle high in the sky
Habichtsadler (Aquila fasciata)

Die Anzahl der Greifvögel war wirklich sehr beachtenswert. Währen wir uns bei den bekannten Arten wie Mäusebussard und Rohrweihe leicht taten, sie zu bestimmen gab es bei anderen doch die eine oder andere Unsicherheit. So erschien sehr hoch am Himmel ein recht heller Greifvogel, der trotz der großen Höhe eine beachtliche Größe zu haben schien. Jedenfalls war er verglichen mit den Mäusebussarden deutlich größer. Wegen der hohen Flughöhe war eine Bestimmung durchs Fernglas auf die Schnelle nicht möglich - zudem wir mit Adlern nicht unbedingt "firm" sind.

Zum Glück ist es mir gelungen, wenigstens ein paar wenige brauchbare Fotos zu machen, die zur Identifizierung der Art dienen konnen. Zu Hause konnten wir nach einiger Disskusion uns dazu durchringen, den Greif als Habichtsadler zu bestimmen. Wieder ein Lifer für uns und auch eine nicht alltägliche Beobachtung, selbst auf Kreta.

Neben uns waren noch Birder aus England und Italien vertreten. Die Italiener hatten riesige Teleobjektive dabei, die sie immer wieder aufgeregt in den Himmel hielten. Plötzlich fingen sie an, auf den Auslöser zu drücken und viele, viele Fotos zu mache: am gegenüberliegenden Ufer des Sees ist ein großer Greifvogel aufgeaucht. Dieser war der Größte von allen Greifen, die wir an dem Tag sehen konnten. Die Rohrweihe reagierte etwas "allergisch" auf den Adler und versuchte ihn immer wieder von seinem Ansitz zu verscheuchen. Kaum hat der Adler sich abgesetzt kam wie Weihe wieder und macht ihm das Leben schwer. Zu unserem Glück wurde es dem Adler irgendwann zu bunt und er beschloss, das Ufer zu wechseln - zu dem Ufer, auf dem wir uns befunden haben. Während dieser ganzen Zeit konne man ihn gut beobachten und sich möglichst viele Details einprägen. Auch wurden die Fotos immer besser, je näher der Vogel kam. Da uns so ein Adler völlig unbekannt war, konnten wir ihn erst zu Hause sicher bestimmen - und waren ganz erstaunt, dass wir tatsächlich unseren ersten Schreiadler gesehen haben!

In der Schlucht von Preveli
In der Schlucht von Preveli

Alles in allem war der Ausflug nach Kreta äußerst erfolgreich! Bei einer Wanderung zur Preveli-Schlucht konnten wir an den Klippen, die ins Meer abfallen und die Preveli-Schlucht umschließen mit Felsenschwalben unseren 12. Lifer für uns klar machen.

Insgesamt konnten wir 56 Arten beobachten. Hier eine alphabetische Auflistung aller Arten unserer Kreta-Liste, die Lifer sind fett markiert:

 

 

-          Alpenkrähe

 

-          Bachstelze

 

-          Blässhuhn

 

-          Blaumeise

 

-          Blaumerle

 

-          Bluthänfling

 

-          Buchfink

 

-          Eisvogel

 

-          Eleonorenfalke

 

-          Felsenschwalbe

 

-          Flussregenpfeifer

 

-          Flussuferläufer

 

-          Gänsegeier

 

-          Gebirgsstelze

 

-          Graureiher

 

-          Grauschnäpper

 

-          Grünschenkel

 

-          Habichtsadler

 

-          Haubenlerche

 

-          Heidelerche

 

-          Kampfläufer

 

-          Kiebitzregenpfeifer

 

-          Knäckente

 

-          Kohlmeise

 

-          Kolbenente

 

-          Kolkrabe

 

-          Kormoran

 

-          Mäusebussard

 

-          Mittelmeer-Steinschmätzer

- Mittelmeermöwe

 

-          Moorente

 

-          Nebelkrähe

 

-          Neuntöter

 

-          Rauchschwalbe

 

-          Rohrweihe

 

-          Samtkopf-Grasmücke

 

-          Schafstelze

 

-          Schilfrohrsänger

 

-          Schreiadler

 

-          Schwarzkehlchen

 

-          Seidenreiher

 

-          Sperber

 

-          Steinwälzer

 

-          Stieglitz

 

-          Stockente

 

-          Straßentaube / Felsentaube

 

-          Tafelente

 

-          Teichhuhn

 

-          Turmfalke

 

-          Uferschwalbe

 

-          Wasserralle

 

-          Weidensperling

 

-          Wiesenweihe

 

-          Zaunammer

 

-          Zaunkönig

 

-          Zwergtaucher